Rheinische Post

vom 30. März 2009

Von Gisela Schöttler

Ratingen (RP) Der Konzertchor '73 und die Neue Philharmonie Duisburg sorgten am vergangenen Samstag für viele kleine Höhepunkte beim Frühjahrsskonzert in der längst nicht ausverkauften Dumeklemmerhalle.


Harmonie herrschte im Frühjahrskonzert des Konzertchores '73 in der Dumeklemmerhalle. Ein reines Barockprogramm gab die Gelegenheit für ausgewogenes Musizieren, saubere Akzentuierungen und für viele kleine Höhepunkte. Magische Momente waren indessen selten. Dem Gotteslob ordneten sich Sänger und Instrumentalisten unter Leitung von Josef A. Waggin freudig unter.

Das d-moll-Konzert für Oboe, Streicher und Cembalo, das einzig bekannte Werk des Italieners Alessandro Marcello, wies zum Auftakt die Richtung. Gediegen musizierten die Streicher der Neuen Philharmonie Duisburg und Josef Waggin am Cembalo. Darüber konnte Imke Alers ihrer Oboe schon im Andante allen Schmelz entlocken. Mit schönem Kontrast folgte dem meditativen Adagio das lebendige Presto.

Antonio Vivaldis Gloria in D-Dur, erst fast 200 Jahre nach dessen Tod wiederentdeckt, gab dem Chor viel Entfaltungsmöglichkeit, die vor allem in den Ecksätzen begeistert ausgeschöpft wurde. Eindrucksvoll erschien im Eingangs-Gloria der ganze Himmelsraum ausgelotet. Mit dem munteren Duett Laudamus te stellten sich die beiden Solistinnen Camelia Tarlea (Sopran) und Sandra van Gemert (Alt) vor. Tarlea malte später mit weich fließender Stimme im Domine deus ein bemerkenswertes Idyll. Chor und Orchester wurden von Josef A. Waggin zu einer abwechslungsreichen Interpretation geführt. Ein paar Männerstimmen mehr hätten die Klangrundung erleichtert.

Mit Pauken und Trompeten setzte sich nach der Pause das Dettinger Te Deum, das Georg Friedrich Händel nach dem Sieg der Engländer über die Franzosen bei Dettingen 1743 komponierte, in Szene. Das als Zeremonialmusik verstandene Chorwerk brauchte einige Zeit, bis seine Wechselstruktur greifbar wurde. Besonders gefielen die stets absolut sauber intonierenden Trompeten der Neuen Philharmonie Duisburg, die Fagott-Leitstimme zum Sopran- und die hohe Bachtrompete zum Bass-Solo. Reinhart Gröschels stimmungsvolle Bass-Arie "Bewahr, o Herr, du treuer Gott" blieb in bester Erinnerung. Im Quartett mit Aron Proujanski (Tenor) zeigten sich die Solisten gleichgewichtig, vom Chor jeweils treffend abgelöst. Das gelang im Satz "Du bist der Ehren König" ebenso einnehmend wie im Finale, das ein warmes Altsolo einleitete. Der Prunk barocker Klangwelt erstand im Schlussgesang des Chores. In der gut besuchten, wenn auch längst nicht ausverkauften Halle bedankte sich das Publikum mit herzlichem Applaus.

Quelle: Ratingen: Barocke Klangwelt (RP ONLINE, 30.03.2009)